Das Leben ist voller Veränderung. Das gilt bei mir auch für meine Art zu Reisen, die sich im Lauf meines Lebens in verschiedene Richtungen entwickelt hat. Derzeit bin ich in einer Phase, in der ich viel reflektiere und nachdenke: Was hat sich getan bei mir, was davon tut mir gut, was eher nicht? Wie möchte ich mein Leben künftig gestalten? Dazu gehört auch, über meine Urlaubsplanung nachzudenken. Reisen und Ausflüge helfen mir dabei, Kraft zu tanken und die inneren Akkus wieder aufzuladen.

Wie ich unterwegs war und bin

Während meiner Ausbildung und in den ersten Jahren meines Berufslebens verreiste ich vor allem in Jugendherbergen. Das war günstig und somit auch mit einem kleinen Budget vereinbar. Nur von den Mehrbettzimmern verabschiedete ich mich, sobald ich ausreichend Geld verdiente. Viele reagierten mit Unverständnis. „Warum nimmst du dir nicht eine kleine Pension?“, bekam ich oft zu hören. So groß ist der Unterschied aber gar nicht, wenn man ein eigenes Zimmer für sich hat. Okay, der Fernseher fehlt, aber es gibt genug andere Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. Und es ist durch die Schulklassen deutlich lebhafter. Das stört mich jedoch nicht, sofern ich einen kleinen Rückzugsort habe. Zwar kam es auch schon vor, dass zu später Stunde Schüler an meine Tür klopften, weil sie dachten es sei das Zimmer ihres Lehrers, aber das fand ich eher amüsant als nervig. Schließlich wusste ich von vornherein, worauf ich mich einlasse. Im Nachhinein betrachtet war das eine schöne Zeit, doch dazu später mehr …

Es gab eine Phase in meinem Leben, da hatte ich mich verrannt. Durch ein paar Fehlentscheidungen wurde das Geld wirklich knapp, an Urlaub außerhalb der eigenen Stadt war kaum zu denken. Also wanderte ich nicht nur durch ein tiefes, sondern auch durch ein sehr kleines Tal, bis ich mich endlich wieder gefangen hatte und in der Lage war, meine Finanzen zu regeln. Ein Schuldenberg blieb, aber einer, der mich noch atmen ließ und den ich abbauen konnte, ohne auf alles zu verzichten. Als ich also endlich wieder genug Geld auf dem Konto hatte, um die eine oder andere Reise zu planen, änderte sich die Auswahl meiner Unterkünfte. Ich wollte eine überteuerte Minibar, ein schickes Design, eine besondere Lage. Nicht, dass ich plötzlich absolute Luxushotels gebucht hätte. Da würde ich mich nicht wohlfühlen, dafür bin ich dann doch zu bodenständig. Aber etwas Besonderes mit einem gewissen Komfort sollte es schon sein. Ich wollte mir etwas leisten, weil ich es endlich wieder konnte.

Letztes Jahr im Juni habe ich mir den Wunsch erfüllt, mehrere Tage in einem Freizeitpark zu verbringen und buchte für vier Nächte ein Komfortzimmer im Hotel Bell Rock, das zum Europa-Park in Rust gehört. Wenigstens einmal wollte ich mir das gönnen und außerhalb der Ferienzeiten gibt es unter der Woche zumindest 20 Prozent Rabatt, sodass es mit etwas Sparen bezahlbar war. Es war auch wirklich schön, zumal ich das Glück hatte, ein Eckzimmer mit zwei Terrassen zu bekommen. Für mich „Sonnenflüchtling“ war das bei den fast schon hochsommerlichen Temperaturen ein Segen, denn ich hatte auch ohne den Sonnenschirm aufzuspannen stets ein schattiges Plätzchen.

So schön es war, noch einmal buchen würde ich so ein Zimmer nicht. Denn ehrlich, ohne Terrasse hätte ich mich mit meinem Buch stattdessen wohl einfach draußen auf eine Bank gesetzt. Es war toll, das einmal erlebt zu haben, aber es ist nichts, das ich in dieser Form häufiger machen würde. Ein Standardzimmer genügt völlig und selbst da frage ich mich inzwischen, nachdem ich im Dezember noch einmal zwei Nächte im Bell Rock verbracht habe: Brauche ich das? 

Zurück zu den Wurzeln: Einfach, günstig und dennoch besonders

Meinen traditionellen Geburtstagsurlaub im Oktober habe ich bereits gebucht: Er führt mich in eine Jugendherberge, genauer gesagt auf die Burg Stahleck in Bacharach im Oberen Mittelrheintal. Vor Jahren habe ich dort einmal ein Wochenende verbracht und den Aufenthalt sehr genossen, er war nur viel zu kurz. Vom Burghof aus hat man eine wunderbare Aussicht auf den Rhein und die Weinberge. Im Herbst stelle ich mir das besonders prachtvoll vor und ich bin sehr glücklich, dort für fünf Nächte ein Zimmer bekommen zu haben. Das ist gar nicht so einfach, denn es handelt sich um eine der beliebtesten Jugendherbergen Deutschlands. Wer einmal da war, wird verstehen, warum. Sicher, die Räume sind schlicht und zweckmäßig, aber die Burg ist ein wundervoller, inspirierender Ort. Schon früher, als ich mir kaum etwas anderes als ein Herbergszimmer leisten konnte, war ich auf der Suche nach etwas Besonderem, nach Häusern in historischen Gemäuern wie die Burg Stahleck oder das Grafenschloss Diez. Ist das nicht auch eine Form von Luxus? Für mich schon.

Natürlich spielt auch der Kostenfaktor eine große Rolle. In einem guten Hotel zahle ich viele Dinge mit, die für mich uninteressant sind, etwa den Saunabereich oder den Pool. Möchte ich „Wellness“, mache ich einen Spaziergang und atme tief durch. Mehr Wasser, als aus einer Dusche auf mich tropft, brauche ich nicht an meinem Körper, selbst die Faszination des Badens habe ich nie verstanden.

Ein hübsches Zimmer habe ich mir bisher gerne etwas kosten lassen, aber wie viel Zeit verbringe ich tatsächlich dort? Letztendlich genügt mir eine Plüschschildkröte, damit ich mich zuhause fühle, und zwar egal ob sie auf einem Stockbett oder einem Doppelbett in einem Vier-Sterne-Hotel liegt. Daher möchte ich künftig lieber einfacher, dafür aber häufiger reisen. Tagesausflüge zähle ich dabei mit, denn auch die habe ich mir manchmal verkniffen, wenn ich Geld für einen teureren Urlaub zur Seite legen wollte. Dabei ist das Unsinn. Gerade diese kleinen Fluchten aus dem Alltag helfen mir oft, neue Kraft zu schöpfen.

Was brauche ich wirklich?

Wenn ich irgendwo übernachte, lege ich Wert auf mein eigenes Zimmer. Das ist das Minimum. Ich kann grundsätzlich nicht schlafen, wenn andere Menschen im Raum sind. Nach einem ereignisreichen Tag möchte ich die Tür hinter mir schließen und ganz für mich sein können. Ansonsten achte ich vor allem darauf, dass mir der Ort an sich gefällt. Das Zimmer darf einfach sein, aber das Haus drumherum muss mir zusagen, entweder aufgrund des tollen Gebäudes oder einer guten Lage. Vor allem Burgen, Schlösser und andere geschichtsträchtige Bauten haben es mir angetan. Selbst wenn sich darin „nur“ eine Jugendherberge befindet, ist dort zu nächtigen ein besonderes Erlebnis.

„Hauptsache irgendein Schlafplatz“ reicht mir also nicht. Vor allem wenn ich länger als nur zwei, drei Tage unterwegs bin, suche ich immer noch das Außergewöhnliche, aber auf eine einfachere, bodenständigere Art als in den letzten Jahren. Das passt viel besser zu mir. Und ich kann es auch mehr genießen, wenn es nicht wie früher eine Notwendigkeit ist, weil das Geld für mehr nicht reicht. Fernseher, schicke Möbel, Minibar, Kaffeemaschine oder Teestation auf dem Zimmer – alles ganz nett, aber verzichtbar. Jetzt entscheide ich mich bewusst dafür, lieber häufiger in eine tolle Jugendherberge oder eine andere preiswerte Unterkunft zu fahren und mehrere Tagesausflüge zu machen, anstatt auf wenige Urlaube in schicken Design- und Themenhotels zu sparen. Die Anreise mit der Bahn darf aber weiterhin in der 1. Klasse erfolgen, zumindest wenn der Preisunterschied zur 2. Klasse nicht allzu groß ausfällt. Mehr Platz, mehr Ruhe und in der Regel Einzelsitze, dafür zahle ich gerne ein paar Euro mehr.

Was ich wirklich brauche, ist die Möglichkeit, jederzeit dem inneren Drang zu folgen, der für mich ein paar Stunden oder Tage fort von zuhause treibt, ohne vorher durchrechnen zu müssen, ob dann noch genug Budget für die nächste Reise übrig bleibt. Manche Urlaube plane ich immer noch im Voraus, aber so, dass ich nicht erst lange darauf sparen muss. So kann ich jederzeit spontan den Rucksack packen, in den nächsten Zug steigen und losfahren, mal für ein paar Stunden, mal auch für ein oder zwei Tage. Ich bin viel zu gerne unterwegs, um mich auf wenige (teure) Reisen zu beschränken.

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  1. Blogparade: Reisen mit kleinem Budget | Inlandreisen - […] dabei den Blick fürs Besondere zu verlieren. Ausführlicher kannst Du das in meinem Artikel „Wie viel Luxus brauche ich…

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