Aus der Ferne habe ich die Burg Hohenzollern schon häufig vom Zug aus bewundert. Sie liegt in der Nähe von Hechingen und Bisingen und ist von der Bahnstrecke zwischen Stuttgart und Aulendorf gut zu sehen. Dennoch habe ich sie jahrelang links liegen lassen. Das wollte ich ändern und machte mich auf zu einem ersten Besuch, der bei mir gemischte Gefühle auslöste.

Die Anlage selbst ist wunderschön, der Innenbereich sorgte bei mir eher für Ernüchterung. Kurz davor hatte ich nämlich das Schloss Sigmaringen besucht, in dem Besuchern deutlich mehr Räumlichkeiten offen stehen. Außerdem gab es zum Zeitpunkt meines Erstbesuchs das Angebot „Königliches Flanieren“. Das bedeutet, dass die Innenräume für Besucher zur freien Erkundung offen stehen. Sonst können sie (mit Ausnahme der beiden Kapellen und der Kasematten mit Geheimgang) nur im Rahmen einer Führung besucht werden. Was erst einmal toll klingt, sorgte vor allem für Gedränge. Es waren zwar Mitarbeiter anwesend, denen man Fragen stellen konnte, insgesamt war die Atmosphäre aber eher hektisch und ich habe nur wenig über die Geschichte der Burg erfahren.

 

Auf Irr- und Umwegen: Meine Wanderungen zur Burg Hohenzollern

Als ich nach einem Ziel für eine Wanderung suchte, dachte ich daran, wie mein Vater mir einmal von einem Schulausflug zur Burg Hohenzollern erzählt hatte. Zumindest den Hinweg hatten sie damals zu Fuß bewältigt. Also musste es machbar sein. Daher beschloss ich, selbst eine Wanderung dorthin zu wagen. Unstrukturiert und chaotisch, wie ich bin, schaute ich mir die Strecke zwar vorab grob auf der Karte an, machte mir aber keine Notizen und verzichte auch auf den Einsatz von Google Maps auf dem Smartphone. Das nutze ich nur, wenn ich das Gefühl habe, alleine gar nicht mehr zurechtzukommen – also äußerst selten.

So schwer kann es ja auch nicht sein: Den Berg, auf dem ich wohne runter, einen anderen Berg rauf, den wieder runter und dann rauf zur Burg. Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht hinbekomme. Nach dem ersten kleinen Umweg gelangte ich auch schon zum Zeller Horn, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf die Burg hat – der perfekte Ort für eine kleine Pause.

Das Ziel im Blick, machte ich mich wieder auf, um mich auf Irr- und Umwegen durchzuschlagen. Statt der knappen zwei Stunden, die man auf der kürzesten Strecke zu Fuß benötigt, war ich fast gute viereinhalb Stunden unterwegs, aber immerhin kam ich an, ehe die letzte Führung begann und die Burgtore sich schlossen. Das verbuche ich mal als gute Leistung. Könnte man auch anders sehen, will ich aber nicht ;-).

Dieses Mal wusste ich auch, was mich im Innenbereich erwartet und wurde positiv überrascht. Ohne das Gedränge und in Begleitung eines Gästeführers fand ich die wenigen Räume sehr schön. Vor allem der Grafensaal und der Blaue Salon haben es mir angetan. Bilder kann ich davon leider nicht zeigen, das Fotografieren ist während der Führung generell nicht und in den Außenbereichen nur zu privaten Zwecken erlaubt.

Die beiden Kapellen der Burg Hohenzollern können auch ohne Führung besichtigt werden. Die eine ist evangelisch wie die preußische Linie der Hohenzollern, die andere katholisch, entsprechend der schwäbischen Linie, der ein Drittel der Burg gehört. Übrigens finde ich es amüsant, dass die klischeehaft fürs Sparen bekannten Schwaben in ihrem Schloss in Sigmaringen im Vergleich zur Burg Hohenzollern eine deutlich prunkvollere Innenausstattung zu bieten haben. Aber gut, es ist ja auch der Adel, da läuft das etwas anders als bei der schwäbischen Hausfrau ;-).

Mein Highlight: Die grandiose Aussicht

So hübsch die Burg Hohenzollern von innen auch sein mag, das Schönste an ihr ist der Ausblick in alle Richtungen. Zuletzt war ich im Februar dort. Während sich oben noch die Überreste der winterlichen Schneemassen hielten, sah es im Tal schon fast nach Frühling aus. Ich finde es wunderbar, den Lauf der Jahreszeiten von dort oben zu beobachten. Jedes Mal sieht die Umgebung ein klein wenig anders aus, sodass der Blick ins Tal niemals langweilig wird. Besonders schön ist es im Sommer, wenn der Biergarten geöffnet ist und Liegen aufgestellt sind. Dann komme ich gerne mit einem Buch oder Notizbuch und Füllfederhalter auf die Burg. Es gibt kaum einen schöneren Lese- und Schreibplatz.

Infos rund um den Besuch der Burg Hohenzollern

Anreise:

Wer mit dem Auto anreist, kann dieses auf dem Burgparkplatz abstellen. Bei hohen Besucheraufkommen wird ein zweiter Parkplatz geöffnet. Auch ein Bus aus Hechingen hält dort, allerdings fährt dieser nur sehr selten, derzeit unter der Woche einmal nach oben und einmal wieder zurück. Die Fahrtzeiten können auf der Website des Tarifverbunds Naldo abgerufen werden. Von dort aus gibt es einen kostenpflichtigen Shuttle-Bus oder einen gut ausgeschilderten, aber teils sehr steilen und treppenreichen Fußweg zum Burgeingang.

Zugang zur Burg:

Das Burggelände ist nicht kostenlos zugänglich. Besucher haben die Wahl zwischen zwei verschiedenen Tickets. Beide bieten den Zugang zum Burgareal, den beiden Kapellen und den Kasematten mit Geheimgang. Wer die weiteren Innenräume wie den Grafensaal, den Blauen Salon und die Schatzkammer besichtigen möchte, benötigt eine Eintrittskarte mit Führung. Diese kann ich sehr empfehlen, mir ist es dabei bisher nie langweilig geworden. Ein gewisses geschichtliches Interesse sollte allerdings vorhanden sein, sonst wirkt vor allem die Erläuterung des Stammbaums zu Beginn etwas zäh. Meine zwei liebsten Ausstellungsstücke sind übrigens ein Pokal in Form des Schlosses Sigmaringen und die Schnupftabakdose, die einst Friedrich II. das Leben rettete.

Da sich die Eintrittspreise ändern können, führe ich sie hier nicht auf, sondern verweise auf die Website der Burg Hohenzollern. Dort stehen auch die Öffnungszeiten sowie die Termine fürs Königliche Flanieren und weiteren Veranstaltungen.

Gastronomie:

Fürs leibliche Wohl ist auf der Burg Hohenzollern ebenfalls gesorgt. Das Café-Restaurant hat das ganze Jahr über geöffnet und bietet in erster Linie regionale Spezialitäten an. Von Januar bis Mitte Dezember gibt es allerdings nur eine kleinere Winterspeisekarte.
Im Sommer öffnet zudem der Biergarten, dessen kleine Speisekarte je nach Saison unterschiedlich umfangreich ausfällt. Im Herbst hatte ich zum Beispiel die Wahl zwischen roter Wurst (eine Art Bockwurst), Pommes oder beidem zusammen. Da weiche ich lieber aufs Restaurant aus. Es kam bei meinen Besuchen auch schon vor, dass dieses aufgrund einer Veranstaltung früher geschlossen hatte als gewohnt, aber das ist selten und verhungern muss auf jeden Fall keiner.

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